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Warum?

Warum denken die Menschen, sie seien toller, wenn sie Brecht, Hesse, Kästner, oder Frisch verstehen können?
Wieso fühlen sie sich dadurch verstärkt?
Weil sie lesen können?
Weil sie „hohe“ Literatur lesen können?
Schön und gut, wenn man es liest, weils einen interessiert, aber:
„Ich hab gehört Siddartha soll voll gut sein. Ich muss da unbedingt lesen, aber ist halt Hesse…“ oder
„Ja Gedichte sind toll, aber vor allem die von Kästner.“ oder
„Ich bin voll stolz auf mich. Ich hab jetzt grad ganz brav Brecht durch.“
Auf gut deutsch: „Ja eigentlich les ichs nur, weil ich dann sagen kann ich hab was von ‚beliebiger Autor’ gelesen“
So heuchlerisch…

Genau, wie wenn sich die Menschen toll finden, wenn sie bei einer Unterschriftensammlung für irgendwas ihren Namen aufs Papier setzten und in ihren Augen etwas glitzert, dass aussagt „Ja ich hab jetzt was Gutes für die Welt getan.“ und ihr aus ihrem Mund die Worte „Voll cool.“ sagt, ihr Gehirn „Du bist ja so ein guter Mensch“ sendet und ihre Naivität ihnen sagt, dass sie das doch alles glauben sollen und dass sie damit die Welt verbessert haben.
Dennoch ist es ja dann doch so, dass man sich selbst nicht traut diese Verhaltensweisen zu kritisieren, oder wenigstens zu hinterfragen à la „Wieso liest du eigentlich Brecht?“ oder „Warum hast du das unterschrieben, was erhoffst du dir davon? Ist das realistisch?“

…Denn weil Wissen nur belastet, wolln wir nicht Mitwisser sein, wir lassen es unangetastet, das Gewissen es bleibt rein…

7.9.06 18:29, kommentieren